Der feministische Film seit den 70er Jahren
Queer Cinema

Jeanne Dielmann,
23 Quai du Commerce–1080 Bruxelles[BE/FR 1975, Chantal Akerman]

[› Buch S. 331]

Jeanne Dielman zieht sich in ihrem Schlafzimmer für einen Freier aus. Keinen Moment vergisst sie dabei ihre Rolle als Hausfrau. Bedächtig und doch routiniert legt sie die Bluse zusammen, ohne dass der Stoff beim Falten knittern würde. Dann liegt der Freier schwer auf ihr. Sein breiter Rücken bedeckt ihren Körper vollständig. Nur Hand und Gesicht sind sichtbar: Subjekt statt Objekt der Begierde. Ihre Erstarrung löst sich. Sie wehrt sich gegen die ungewohnte Emotion. Dennoch wird sie durch die eigene Erregung überwältigt. Es gelingt ihr nicht, den Kontrollverlust zu verbergen. Die stets ordentlich glatt gestrichene Bettdecke ist nachher ganz durcheinander.

Jeanne Dielmann Jeanne Dielmann Jeanne Dielmann Jeanne Dielmann Jeanne Dielmann

 

The Piano[AU/FR 1993, Jane Campion]

[› Buch S. 332]

Gleich zu Beginn betont ein subjektiver Blick der Protagonistin durch die eigenen Hände, aus wessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Die sich spreizenden Finger werden zum Vorhang, der sich öffnet. Das Voice-over gibt sich als innere Stimme Adas zu erkennen und weist darauf hin, dass sie bereits als Kind zu sprechen aufgehört hat. Mit Adas Blick beobachten wir ihre Tochter Flora. Diese kämpft energisch mit einem störrischen Pony, brettert mit Rollschuhen über den Parkettboden und zieht die Schuhe auch zum Schlafen nicht aus. Das Verstummen wird mit Eigensinn und Unbeugsamkeit verknüpft. Dann wird die Bedeutung des Pianos für Ada vorgeführt.

The Piano The Piano The Piano The Piano The Piano